Berufe-Speed-Dating 2015

Während den Gesprächen im Foyer des Audimax

Das Leben ist keine Einbahnstraße -                     Der Weg zum Traumberuf 

Wusstet ihr schon immer, was ihr später werden wollt? Oder seid ihr euch bis heute immer noch nicht so ganz sicher?  Ich für meinen Teil gehöre zur zweiten Sorte Mensch. Für mich war und ist es schwierig, aus den ganzen Möglichkeiten, die uns geboten werden, genau das zu finden, was zu mir passt. Oft gibt es Berufe, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt. Aber wie genau soll man sich über all die vielen Möglichkeiten informieren und wer kann dann sagen, was davon meinen Vorstellungen entspricht und was nicht? Muss ich studieren und wenn ja, was?

Aus diesem Grund hat der Verein Jugenduni e.V. das "Berufe- Speed- Dating" ins Leben gerufen. In diesem Jahr fand die Veranstaltung in gemütlicher Runde im Foyer des Audimax der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt. Alle Interessierten hatten die Möglichkeit, von Angesicht zu Angesicht mit Menschen zu sprechen, die ihren Weg bereits gegangen sind und einen Platz für sich im Leben gefunden haben. Jeder von ihnen hatte eine eigene interessante Geschichte zu erzählen und sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier ein paar Beispiele:

 

Der "Fast-Mediziner" in der Luftfahrt

Herr G. interessierte sich schon immer für das Innenleben und die Funktionsweise unseres Körpers. Deshalb beschloss er zunächst Medizin zu studieren. Doch er bemerkte bald, dass er, obwohl ihn das Fach sehr interessierte, Schwierigkeiten mit dem Studium hatte. Deshalb brach er dieses zwei Jahre später ab, was aber, wie er meint, kein Fehler sondern nur der nächste Schritt zu seinem heutigen Traumberuf war. Denn nur so war er in der Lage sich nach neuen Alternativen umzuschauen und traf dabei auf ein Angebot aus der Luftfahrt. Ohne weitere Vorkenntnisse ließ er sich darauf ein und bereut seine Entscheidung bis heute nicht. Immer wieder musste er sich neuen An- und Herausforderungen stellen, aber genau das machte auch den Reiz für ihn aus. Die Abwechslung und die Herausforderungen in seinem Beruf als Ground Operations Performance Manager treiben ihn an, weiterzumachen und sich auf jeden neuen Tag zu freuen.

 

 Handwerker trotz Rollstuhl

Das eine Behinderung alles andere als ein Hindernis ist, zeigt uns Herr W. Er selbst behauptet von sich sehr lange 18 Jahre alt und unentschlossen gewesen zu sein, bis er im Alter von 39 Jahren endlich das fand, was ihn für den Rest seines Lebens begeistert. Sein Weg führte ihn nach einem Ökonomiestudium zu sechs Gesellen- und einem Meisterbrief. Und genau das macht ihn einzigartig. Mit viel Witz und Humor beschrieb er seinen Werdegang, in dem ihm so manche Stolpersteine in den Weg gelegt wurden. Heute leitet er selbst einen kleinen Betrieb und übernimmt mit Freude die Verantwortung für seine Gesellen.

 

Wie die Arbeit im Gefängnis die Perspektive ändert

Ihr Beruf hat Frau S. gelehrt, mit dem zufrieden zu sein, was sie hat. Denn jeden Tag arbeitet sie mit Menschen zusammen, denen es psychisch und materiell weitaus schlechter geht als ihr. Als studierte Theologin arbeitete sie zunächst als Pfarrerin in einer Gemeinde und kam dann über Umwege zur ihrer jetzigen Arbeit in einer Justizvollzugsanstalt. Die Seelsorge für die jungen Erwachsenen dort ist für sie mehr eine Berufung als ein Beruf. Immer wieder wird sie mit schweren Schicksalen konfrontiert, und auch wenn es manchmal nicht einfach ist, würde sie mit niemandem tauschen wollen und widmet sich mit Hingabe jedem einzelnen ihrer Schützlinge.

Berufe-Speed-Datin 2015

Das Team v.l.n.r.: Julia Albrecht, Teresa Fritsch, Toralf Göbel

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass dieser Tag viel gebracht hat und jeder mit einem guten Gefühl wieder nach Hause gehen wird. Vor allem aber hat mich eine Aussage sehr beeindruckt: Die beruflichen Schranken, die uns auferlegt werden, kommen nur von uns selbst. In Wirklichkeit können wir alles das tun, was wir möchten, können auch ganz neue Berufswege einschlagen und uns dabei über eins sicher sein. Nämlich das unser Weg zum Traumberuf nicht gerade verlaufen wird, sondern sehr viele Kurven aufweisen wird. Doch das ist normal und wir sollten uns nicht davor fürchten, zwischendurch auch mal in der Luft zu hängen, denn nicht alle finden nach dem Studium sofort eine Arbeit.

Anstatt sich nur Sorgen zu machen, sollten wir auch diesen Moment auskosten um das Leben zu genießen, da wir nur einmal leben und nichts davon hätten, wochentags nur auf das Wochenende hinzufiebern.

 

Ein Bericht von Teresa Fritsch, editiert von Saskia Boekhoff

In diesem Jahr bedanken wir uns besonders bei Think Big für die finanzielle Unterstützung des Projektes. Durch ihre Hilfe ist es uns möglich gewesen, für das leibliche Wohl der Teilnehmer zu sorgen und den Tag zu einem besseren Erlebnis zu machen.

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